{"id":6,"date":"2008-04-21T19:11:53","date_gmt":"2008-04-21T17:11:53","guid":{"rendered":"http:\/\/dorisvonstokar.ch\/site\/?page_id=6"},"modified":"2014-01-30T16:02:23","modified_gmt":"2014-01-30T14:02:23","slug":"bibliographie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.dorisvonstokar.ch\/site\/bibliographie\/","title":{"rendered":"Bibliographie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vom Treiben der Bilder<\/strong><\/p>\n<p><strong>Text zur Ausstellung &#8222;autumn anemones&#8220; von Sabine Arlitt, 2013<\/strong><\/p>\n<p>Doris von Stokar sammelt Sinneseindr\u00fccke, Tag f\u00fcr Tag, rituell und leidenschaftlich -in ihrer n\u00e4chsten Umgebung, dem wild-verwunschenen Garten, auf Spazierg\u00e4ngen im wandelnden Wechsel der Gehrhythmen, auf Reisen in pulsierende Metropolen. Sie speichert Stimmungen, die sie in ihr Atelier tr\u00e4gt. Im Schaffen der Z\u00fcrcher Zeichnerin hat sich eine bedeutsame Wandlung, eine buchst\u00e4bliche Umkehrung, ereignet. Legte sie fr\u00fcher zarte Liniengespinste als verdichtete filigrane Linienverl\u00e4ufe auf das Papier, so ist nun das Material selbst, Papier und Graphit, zum mitformenden Bestandteil des Bildfindungsprozesses geworden.<br \/>\nGeblieben sind motivische\u00a0 Ankl\u00e4nge an Spindeln und Spiralen, Samenst\u00e4nde und galaktische Lichter. Doch hat die mit der neuen Technik einhergehende Transformation die Assoziation an Abbildhaftes noch st\u00e4rker als fr\u00fcher zu sich aufl\u00f6senden Erinnerungsbildern werden lassen. Im Motiv der Blume als Metapher f\u00fcr die Prinzipien\u00a0 des Lebens wird das ihm innewohnende Wandlungsgeschehen nun selbst als dynamischer Prozess erlebbar.<\/p>\n<p>&#8222;autumn anemones&#8220; nennt Doris von Stokar ihre neuste Werkserie, die sich medial und spannungsreich zwischen Malerei und Zeichnung bewegt. Zwischen Schwarz und Weiss entfaltet sich eine Graustufenmalerei, die zu einer Lichtmalerei mutiert. Die Arbeit im Atelier, ein meditatives Einstimmen, beginnt mit dem eigenh\u00e4ndigen Herstellen des Graphitstaubes, indem Doris von Stokar einzelne Graphitstifte in ruhiger repetitiver Bewegung abschmirgelt. Das gewonnene, bei kleinstem Luftzug sich verfl\u00fcchtigende schwarze Pulver reibt sie in mehreren Schichten mit Stofflappen nuancenreich in das weisse Papier. Eine samtig verdichtete Materialpr\u00e4senz liegt auf dem Boden zur Bildaktivierung bereit.<\/p>\n<p>Mit dem Radiergummi holt Doris von Stokar schwebend-transparente Formen, lineare Ver\u00e4stelungen und wellenartige Modulationen aus dem Graphitgrund hervor. Im Abtragen str\u00f6mt Licht ins Dunkel. Als am n\u00e4chsten erweist sich, was in gr\u00f6sster Entfernung liegt. Eine ganz eigene Intensit\u00e4t durchwirkt die mit Graphitstiften unterschiedlicher H\u00e4rtegrade zus\u00e4tzlich differenzierten Zeichnungen, die etwas vom Zauber des Magischen in sich tragen.<br \/>\nDoris von Stokar spricht vom morbiden Charme des Verg\u00e4nglichen, wenn sie den Wechsel der Samenst\u00e4nde der Herbstanemonen von leblos anmutenden Verholzungen hin zu schneeflockenartigen Gespinsten beschreibt. Ihre Zeichnungen bergen die Atmosph\u00e4re von Stummfilmen in sich. Auch an Fotogramme, R\u00f6ntgenaufnahmen oder Aufnahmen unter Wasser l\u00e4sst sich denken.<\/p>\n<p>Die Herbstanemonen, diese nat\u00fcrlichen Boten einer f\u00fcnften Jahreszeit, entfalten ihre Pracht im Halbschatten und in einem Augenblick vers\u00f6hnlicher Spannungsverh\u00e4ltnisse zwischen nicht mehr und noch nicht, zwischen ver<em>gehen<\/em> und ent<em>stehen<\/em>. Auf die Kraft der eigenen Mittel bauend, wozu neben dem vage tastenden Sensorium die Einbindung des Potentials der verwendeten Materialien geh\u00f6rt, schafft Doris von Stokar visuelle Ereignisr\u00e4ume als offene Bedeutungsr\u00e4ume. Im entleerenden Ausradieren f\u00fcllt sich die Zeichnung wesenhaft &#8211; fortw\u00e4hrend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.dorisvonstokar.ch\/site\/wp-content\/uploads\/Ausstellungskatalog.pdf\">Ausstellungskatalog &#8222;autumn anemones&#8220; 2013 Galerie sam scherrer contemporary<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Seismographische Spurensuche im Graphitstaub<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sabine Arlitt, 2009<\/strong> (Textauszug)<\/p>\n<p>Linien verdichten sich &#8211;\u00a0 Zeit speichernd &#8211; zu transparenten k\u00f6rperhaften Gespinsten.<br \/>\nDie zarth\u00e4utigen, zuweilen wie hingehaucht anmutenden Zeichnungen von Doris von Stokar verbinden Fragilit\u00e4t mit Verletzlichkeit, Transparenz mit Verg\u00e4nglichkeit. Sie schafft mit ihren Zeichnungsinstallationen eine Art Raumklima. Das Geschehen im Dazwischen &#8211;\u00a0 im Uebergang eben, zwischen Formation und Aufl\u00f6sung &#8211;\u00a0 er\u00f6ffnet mentale R\u00e4ume. Das Potential der in den Zeichnungen angelegten visuellen Metamorphosen und virtuellen Verschmelzungen, das Potential an Ereignissen und sich ver\u00e4ndernden Umst\u00e4nden l\u00f6sen Verbindungen nach freiem Empfinden aus. Alles ist in Schwingung versetzt. Br\u00fcste mutieren zu Augen, K\u00f6rper h\u00f6ren. Galertartige Organismen, die im Wasser zu treiben scheinen, suggerieren eine \u00fcber die Elemente und Aggregatzust\u00e4nde sich hinwegsetzende Verbundenheit mit den filigranen Schirmchen des L\u00f6wenzahns, die durch die L\u00fcfte fliegen. Schmetterlinge tauchen als V\u00f6gel der Nacht und des Tages auf. Galaktische Lichter durchbrechen kosmische Dunkelheit. Zeichnen ist eine zutiefst fruchtbare Angelegenheit.<\/p>\n<p>Das altgriechische Wort f\u00fcr Schmetterling bedeutet: Hauch, Atem, Seele. Doris von Stokar gibt in ihren Zeichnungen energetischem Treiben einen Ort &#8211; eng auf den eigenen K\u00f6rper bezogen, weiblich, erotisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Martin Kraft , Kunsthistoriker<\/strong> (Textauszug)<\/p>\n<p>Doris von Stokar erfasst ihre allt\u00e4gliche Umgebung mit der Neugierde und Pr\u00e4zision eines Naturforschers. Oberfl\u00e4chenstrukturen, seien es pelzige, fasrige oder wie auch immer geartete, gibt sie mit fast greifbarer Sinnlichkeit wieder &#8211; und nimmt doch alles Sinnliche insofern wieder zur\u00fcck, als sie auf Farbe verzichtet, sich auf ein einziges Medium beschr\u00e4nkt, den Bleistift, der aber nat\u00fcrlich eine Vielfalt von differenziert eingesetzten Bleistiften ist. Sie selber f\u00fchlt sich als Zeichnerin wie eine Art Filter, durch den die Erscheinungen hindurchgehen, um zu etwas zu werden, das sie nicht mehr benennen kann. Dabei ist dieser Prozess bei ihr, die vorzugsweise in Serien arbeitet, mit dem vollendeten Blatt noch nicht unbedingt abgeschlossen. Was nach einer solchen Filterung zur\u00fcckbleibt, k\u00f6nnte man als das Wesen, beispielsweise einer Pflanze, umschreiben. Oder es liesse sich von Verdichten, von Dichtung sprechen.<br \/>\nDenn diese Zeichnungen haben tats\u00e4chlich eine Verwandtschaft mit Lyrik, wo ja gerade dort, wo ein allt\u00e4gliches Ph\u00e4nomen mit wenigen Worten genau erfasst wird, diese Worte sich auf einer ganz anderen, unallt\u00e4glichen Ebene bewegen.<\/p>\n<p>Intensiv thematisiert die K\u00fcnstlerin den K\u00f6rper, den eigenen K\u00f6rper. &#8222;Zeichnen ist f\u00fcr mich wie eine sinnliche, traumwandlerische Aufnahme des eigenen K\u00f6rpers, Auseinandersetzung mit ihm, der eigenen Weiblichkeit, der Rolle der Frauen, des Menschen, der Welt. Bilder, Gegebenheiten, Details, die mich seltsam ber\u00fchren, lassen sich auf fast intuitive Weise auf Papier nieder &#8211; als Zeichnung: mit lyrischer Zeichensprache das weibliche K\u00f6rperempfinden ausdr\u00fccken.&#8220;<\/p>\n<p>Wesentlich f\u00fcr die Zeichnungen von Doris von Stokar ist ja die Art ihrer Entstehung, die Lebenshaltung, die sie entstehen l\u00e4sst und die sich in einen betonten, fast anachronistischen Gegensatz zu einer von der Technik beherrschten Welt stellt. Sie k\u00f6nnte ja heutzutage mit Naturfotografien und deren nachtr\u00e4glicher Bearbeitung am Computer sehr viel rascher und bequemer zu k\u00fcnstlerischen Ergebnissen kommen, die vielleicht auf ihre Weise auch zu \u00fcberzeugen verm\u00f6chten und doch mit dem, was wir hier sehen, sehr wenig zu tun h\u00e4tten. Denn was wir in diesen Bl\u00e4ttern sehen oder f\u00fchlen oder eben beides zusammen, ist nicht zuletzt die Zeit, die in sie eingeflossen ist: eine Zeit des geduldigen Beobachtens und des stillen Hineinhorchens in den eigenen K\u00f6rper, schliesslich die Zeit der langsamen handwerklichen Ausf\u00fchrung, die mit dem teils vielschichtigen Auftragen und gelegentlich auch wieder Abtragen der Bleistiftschichten unwillk\u00fcrlich an die altmeisterliche Malerei mit Lasuren erinnern mag, Zeit, die es sich<br \/>\nlohnte f\u00fcr die Kunst zu opfern &#8211; eine Zeiterfahrung alles in allem, die sich, so ist zu hoffen, auch auf die Betrachtenden \u00fcbertr\u00e4gt.<\/p>\n<p><a title=\"ganze Bibliographie als PDF\" href=\"http:\/\/dorisvonstokar.ch\/site\/wp-content\/uploads\/martin-kraft-einfuhrung-05.pdf\">ganze Bibliographie als PDF<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>J\u00f6rg Stummer, Galerist<\/strong><\/p>\n<p>Die Zeichnungen von Doris von Stokar er\u00f6ffnen sich nicht auf den ersten Blick. Sie wirken zur\u00fcckhaltend, bescheiden, unpr\u00e4tenti\u00f6s und leise. Sie sind ganz selbstverst\u00e4ndlich einfach da. Das Bleistiftgrau und die filigrane Zeichentechnik schaffen eine vielschichtige Stimmung, die nach und nach auf Betrachter und Betrachterinnen wirkt. Und sie lassen viele Interpretationen offen: Kleider, H\u00e4ute, Weiblichkeit, Erotik, Spuren, Tr\u00e4ume, Identit\u00e4t, Erinnerung und Geheimnis. Oder Zauber und Stille.<\/p>\n<p>Die Zeichnungen entstehen in Zyklen und kreisen ein Thema langsam ein &#8211; zum Beispiel die &#8222;Brustbl\u00e4tter&#8220;. Man fragt sich, welche Aussage sich hinter den wehrhaften und zugleich besch\u00fctzenden Br\u00fcsten mit Titeln wie &#8222;Brustkette&#8220; oder &#8222;Brustspindeln&#8220; verbirgt &#8211; reizvoll und formsch\u00f6n sind sie aber auf jeden\u00a0Fall.<\/p>\n<p>Bei den Arbeiten von Doris von Stokar stellt sich die Frage nach der Aussage immer wieder neu und stets auch individuell. Die Aussage von Frank Stella, &#8222;what you see is what you see&#8220; muss hier aber auch erg\u00e4nzt werden mit der Feststellung &#8222;what you feel&#8220;. Denn so zur\u00fcckhaltend die Zeichnungen unter dem Titel &#8222;S\u00fcssdolde&#8220;und &#8222;Pollenflug&#8220; auch sind, sie wecken Gef\u00fchle jenseits von g\u00e4ngigen Klischees und beeindrucken ganz besonders in ihrer stillen Intensit\u00e4t.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.galerie-stummer.ch\/\">www.galerie-stummer.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Treiben der Bilder Text zur Ausstellung &#8222;autumn anemones&#8220; von Sabine Arlitt, 2013 Doris von Stokar sammelt Sinneseindr\u00fccke, Tag f\u00fcr Tag, rituell und leidenschaftlich -in ihrer n\u00e4chsten Umgebung, dem wild-verwunschenen Garten, auf Spazierg\u00e4ngen im wandelnden Wechsel der Gehrhythmen, auf Reisen in pulsierende Metropolen. Sie speichert Stimmungen, die sie in ihr Atelier tr\u00e4gt. 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